Wie gut kennst du dein Pferd?

Wie gut kennst du deine Pferde oder Tiere? Könntest du dein Pferd oder Tier beschreiben, ohne die Worte brav, nett, lieb, zickig oder frech zu verwenden? Weißt du wieso deine Pferde manchmal so handeln, wie sie handeln. Ich glaube viele unterschätzen die Charaktervielfalt unserer Pferde. Ich denke sogar Menschen, die nichts mit Pferden oder Tieren am Hut haben, halten Tiere für eindimensionale Wesen oder Charakter. Manche sogar für dumme Befehlsempfänger.

 

Je mehr ich mich mit jemanden unternehme, desto besser lerne ich ihn kennen. So ist es selbstverständlich auch mit unseren Pferden. Allerdings verstehe ich unter "unternehmen" nicht reiten. Ich finde nur von oben, oder in einem Dominanzverhältnis, hast du keine Möglichkeit hinter die puschelige Fassade des Pferdes zu blicken. Je abwechsungreicher ich mich mit dem Pferd beschäftige, das heißt, Bodenarbeit, Spielchen, Freiarbeit, misten oder einfach nur da sein und den Pferden bei Fressen zuhören, entsteht zwischen Mensch und Pferd eine Verbindung in der beide ihre Masken fallen lassen und ihr wahres Ich zeigen können.

Die Geschichte einer zickigen Stute

Als kleines Beispiel möchte ich von einem Pferd erzählen. Dieses Pferd, eine Stute, ist sehr hübsch. Nein, sie ist wunderschön. Doch giftet sie gerne andere Stuten an. Oberflächlich betrachtet sieht man also eine Schönheit, die um jeden Preis im Mittelpunkt stehen möchte, und andere Mädchen schlecht behandelt. Kein Wunder, dass sich die Stute unter den kurzweitigen Besuchern den Spitznamen "Die Zicke" eingehandelt hat. Dieses Pferd hat jetzt den Stempel zickig und dominant abbekommen und da Pferde ja nicht vielschichtig im Charakter sind, wird das auch als die einzige Charaktereigenschaft der Stute bleiben. Auch ein Trainer erkannte auf den ersten Blick, dass er hier eine dominate Stute vor sich hat und behandelte sie entsprechend rabiat. Schimpfte das Pferd, schon bevor es nur dominant werden könnte. Doch leider verschlimmerte dies die Situation nur noch, sodass das Pferd erst recht nicht hörte, wütend wurde und sogar öfters in die Richtung des Trainers kickte. 

Dies ist die Geschichte eines zickigen Pferdes, welches sich immer mit dem Menschen anlegte und wer weiß irgendwann entweder ausrangiert oder gebrochen werden würde.

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Was wäre, wenn man nicht in Schubladen denken würde?

 

Dies ist die Geschichte eines zickigen Pferdes, welches sich immer mit dem Menschen anlegte und wer weiß irgendwann entweder ausrangiert oder gebrochen werden würde.

Jetzt möchte ich die Geschichte über ein Pferd mit einem wahnsinnig vielschichtigen Charakter erzählen, dass auch sehr viel mit einem Menschen gemeinsam hat. Ja, dieses Pferd hat zickige Neigungen, benimmt sich nicht ganz fair gegenüber anderen Stuten, drängt sich in den Mittelpunkt und hat eine dominate Seite. Doch die menschliche Familie verbrachte so viel Zeit mit diesem Pferd, über 6 Jahre und könnte daher diese Pferd nicht auf diese zwei Eigenschaften reduzieren. Dieses Pferd hat vielleicht Ähnlichkeiten mit einer Schulzicke, die andere mobbt, aber woher kommt dieses Verhalten. Eine Schulzicke ist im Grunde doch nur ein junges Mädchen ohne Selbstbewusstsein, das ihren Frust an anderen auslässt, oder diese um etwas beneidet. So war es auch bei dieser Stute. Immer wenn ein anderes Pferd ausreiten ging, stand die Stute noch lange am Zaun und blickte den Pferden hinterher, wenn ein Mensch mit Halfter oder Sattel in ihre Richtung kam, vertrieb sie die anderen Pferden durch angelegte Ohren. Ging der Mensch aber an ihr vorbei, musste sie ihrer Enttäuschung Luft machen. Da die Stute noch sehr jung war und so nicht die gleiche Aufmerksamkeit in Bezug auf Reiten und Bodenarbeit bekam, fühlte sie sich vielleicht weniger wert, als die anderen Pferde und ihr Selbstbewusstsein sank. Nichts wünschte sie sich sehnlicher, als endlich erwachsen zu sein und auch mit Ausreiten gehen zu dürfen. Wenigstens konnte sie ab und zu mal so tun, als wäre sie erwachsen, wenn ein Mensch ein Reithalfter unbeaufsichtigt an einen Pfosten hängte. Blitzschnell nahm sie dann das Gebiss in dem Mund. Auch wenn es kalt war, kaute die Stute ein wenig darauf herum und fühlte sich gleich wie ein erwachsenes Pferd. Obwohl sie noch nicht mit dem Menschen arbeiten durfte, hielt sich die Stute doch gerne in deren Gegenwart auf. Sie verzichtete au das Essen und kuschelte lieber mit dem Menschen, brachte den Menschen bei, wo ihre Lieblingskraulstellen waren, indem sie sie ihnen zeigte. Dieses Pferd wollte immer im Mittelpunkt stehen, da sich im Mittelpunkt ihre geliebten Menschen befanden. Eines Tages war es endlich soweit, sie würde das Reiten lernen und noch vieles mehr. Die Stute freute sich auf jede Stunde. Ihre Menschen lobten sie auch ganz viel. Doch irgendwann wurden die Aufgaben schwerer und sie wusste nicht immer was der Mensch von ihr wollte. Sie wurde sich unsicher und fühlte sich überfordert, schlug mit dem Kopf und legte die Ohren an. Dann schimpfte der Mensch sie und sie verstand nicht wieso, wurde trotzig. Irgendwann verstand der Mensch, er verstand, dass die Stute das Gefühl hatte, wenn sie längere Zeit nicht gelobt wurde, dass sie einen Fehler machte. Dabei wollte die Stute doch alles richtig machen. Der Mensch begann noch mehr zu loben, da es für die Stute wichtig war und bald zeigte sich, wie begabt und vor allem Intelligent die Stute ist. Und auch wenn Menschen die Stute nach einer kurzen Einschätzung für eine Zicke halten und nichts mit ihr zutun haben wollen, so weiß die Stute, dass ihre Menschen sie trotzdem lieben und für ein Genie halten.

 

Für alle einzigartigen Pferde,
Schi

 

 

P.s.: In unserer Gruppe "Dein bewusster Weg mit Pferden" kannst du uns gerne von deinen außergewöhnlich vielseitigen Pferd berichten, oder vielleicht hast du auch noch eigene Gedanken zu dem Thema? Wir freuen uns natürlich auch über eine Nachricht von dir über E-Mail, oder Facebook :)

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